Was ist Cow Pat Pit?
Cow Pat Pit (CPP) ist ein Sammelpräparat auf Basis von Kuhdung, dem die sechs Kompostpräparate 502 bis 507 einverleibt werden. Es wird in einer flach ausgehobenen Erdgrube über mehrere Monate fermentiert und in Wassergaben über große Flächen ausgebracht. Entwickelt hat es der neuseeländisch-indische Pionier Peter Proctor in den 1980er Jahren, ursprünglich für die Verbreitung biodynamischer Praxis in Indien, wo eine massentaugliche, in Wasser anwendbare Form der Kompostpräparate gebraucht wurde.
CPP wird gelegentlich mit dem Fladenpräparat nach Maria Thun verwechselt — beide gehen vom Kuhfladen aus, beide enthalten die sechs Kompostpräparate, beide werden ausgebracht statt in den Kompost eingebracht. In Herkunft, Rezeptur und Einsatzbereich unterscheiden sie sich aber.
Herkunft und Kontext
Proctor entwickelte CPP in der Anschluss an Maria Thuns Fladenpräparat-Arbeit, das er in seinen Indien-Schulungen kennenlernte. Die Adaption war pragmatisch: Indische Höfe hatten kein Demeter-Hülleninventar, oft keinen kompostfähigen Stoffkreislauf in mitteleuropäischer Logik, dafür im Überfluss Kuhdung. Proctor reduzierte die Rezeptur, baute die Fermentation in eine offene Erdgrube um (statt Fass) und stellte das Präparat so um, dass es vor allem als Wasserspray ausgebracht wird — auf Hektar-Flächen, nicht nur als Kompostimpuls.
CPP wurde damit zum tragenden biodynamischen Werkzeug der südasiatischen Bewegung. In Europa hat es sich nicht durchgesetzt — hier dominiert das Fladenpräparat nach Thun (Fass-Fermentation, Demeter-konform, in der mitteleuropäischen Schule verankert).
Herstellung
In eine etwa 30 Zentimeter tiefe, mit Brettern oder Holz eingefasste Erdgrube wird frischer Kuhdung gegeben — die Mengen variieren je nach Schule. Eierschalen-Calcium und Basaltmehl werden mit eingearbeitet. Nach ein bis zwei Wochen werden die sechs Kompostpräparate 502 bis 507 in kleinen Bohrlöchern eingebracht, ein Baldrian-Spray darüber. Die Grube wird mit etwas Erde abgedeckt und über mehrere Monate sich selbst überlassen.
Die fertige Substanz ist dunkel, krümelig und erdig riechend. Sie wird in Mengen von etwa 100 Gramm pro Hektar in Wasser dynamisiert und ausgebracht — analog zur Hornmist-Anwendung.
Anwendung und Wirkung
CPP wird als Boden- und Pflanzenbelebung verstanden. Anders als Hornmist, der eine bodenaufbauende Tiefenwirkung haben soll, ist CPP nach Proctor-Tradition flächiger und impulsartiger — ein „Schnellstart" für die Bodenbiologie, besonders auf erschöpften oder neu in Umstellung befindlichen Flächen. Die Anwendung erfolgt in der Wachstumsphase, oft zusammen mit Hornmist als Tandem.
In der indischen biodynamischen Praxis ist CPP das mengenmäßig wichtigste Präparat überhaupt. In Mitteleuropa wird es nur vereinzelt eingesetzt, meist von Höfen mit Indien-Bezug oder Proctor-Schulung.
Abgrenzung zum Fladenpräparat
Das Fladenpräparat nach Maria Thun (1958) wird in einem Fass mit Holzdeckel über mehrere Wochen fermentiert, enthält ebenfalls die sechs Kompostpräparate, ist aber rezepturell und konzeptionell anders gelagert: Thun versteht es als Boden-Starter im engeren Sinne, anwendbar auch in kleineren Flächen, in Demeter-Kreisen anerkannt.
Cow Pat Pit ist die offene Grubenvariante, größer angelegt, primär als Flächenspray gedacht, außerhalb des klassischen Demeter-Kanons entwickelt. Beide Präparate haben ihre Berechtigung; verwechselt werden sie häufig, weil beide aus dem Kuhfladen-Impuls heraus arbeiten.
Einordnung
CPP ist Teil der biodynamischen Tradition, aber nicht des klassischen Steiner-Kanons (500–508). Es ist eine Weiterentwicklung im Geiste der Methode, methodisch klar dokumentiert, in der südasiatischen Praxis erprobt. Forschungsdaten zur Wirksamkeit sind dünn — die meisten Belege sind Praxiserfahrungen aus dem Proctor-Umfeld und indischer Demeter-Beratung.
Verwandte Begriffe
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